Brief AGAF

Zur Sitzung des RTA am 25. Januar 2009 hat dessen Mitgliedsverband AGAF eine Stellungnahme zum Thema ELL abgegeben.

Mit freundlicher Genehmigung der AGAF publizieren wir diesen:

Beitrag der AGAF e.V. zur RTA Sitzung am 25. 1. 2009

Liebe RTA Kollegen,

...

Unser Beitrag bezieht sich auf Punkt 4 der in der Einladung vom 17. 12. 2008 vorgeschlagenen Tagesordnung:

Abstimmung zur Einführung und Ausgestaltung einer neuen Einsteigerzeugnisklasse , Beschlüsse und Anträge der RTA-Mitgliedsvereinigungen

Vorangestellt sei, dass unsere Auffassungen nicht durch  AGAF spezifische Interessen, sondern durch Sorge um die Zukunft des Deutschen Amateurfunks als international tätigem Funkdienst motiviert sind.

Wenn es zu einer Abstimmung über die Einführung einer 3. Zeugnisklasse unterhalb der heutigen Klasse E in welcher Form auch immer kommt, dann votiert die AGAF e. V. mit einem deutlichen Nein.

Wir halten eine solche Klasse in Deutschland für unnötig und eher schädlich als nützlich.

Begründungen für die Ablehnung:

1. Aus berechtigter Sorge wegen des Mitgliederschwundes im DARC sucht der DARC-Vorstand nach Möglichkeiten, diesen Trend zu stoppen. Er setzt dabei in Anlehnung an den ECC Report vom Oktober 2006 auf eine Einsteigerklasse, die auf Leute zielt, die eine vergleichsweise geringe Allgemeinbildung besitzen und auch nicht bereit sind, sich die Kenntnisse der Klasse E zu erarbeiten, jedenfalls nicht im ersten Anlauf trotz aller Hilfen, die der DARC mit Kursen und Studienmaterial anbietet.

Wir glauben nicht, dass diese Leute, wenn sie denn eine solche Lizenz haben, wesentliche Beiträge zum Amateurfunk leisten können oder wollen, natürlich von Ausnahmen abgesehen.

Ferner ist ja auch nicht gewährleistet, dass solche Lizenzanwärter oder -Inhaber tatsächlich in den DARC eintreten oder auf Dauer bleiben.

2. Wenn mit einer solchen Zeugnisklasse dem Mitgliederschwund nennenswert entgegengewirkt werden soll, dann müsste schon eine große Anzahl solcher Lizenzinhaber entstehen.

Wir befürchten, dass das Ansehen der Funkamateure und des Amateurfunks als Funkdienst leidet und dass wir, die Funkamateure insgesamt, es in Zukunft schwer haben werden, als geprüfte Fachleute anerkannt zu werden, die ihre Geräte zum großen Teil selbst bauen, gekaufte Geräte technisch verändern, selbstständig experimentieren und zur Verbesserung des Technikverständnisses beitragen können.

Es wird schwer werden, Außenstehenden zu erklären, dass die Kenntnisse der Funkamateure ausreichen, um bei ihren experimentellen Sendungen Störungen anderer Dienste zu vermeiden, ein Problem, dass künftig immer größer wird angesichts einer Vielzahl neuer Dienste und einer immer dichter werdenden Belegung des Spektrums. Wie wir aus den Vst-Informationen zum EMVG monatelang zu lernen hatten, besteht sogar die Gefahr, dass der Amateurfunk seines ITU-Privileges als Funkdienst benommen oder gar grundsätzlich zur elektromagnetischen Störquelle disqualifiziert wird.

Neue Dienste versprechen finanziellen Gewinn und neue Arbeitsplätze für die Dienste-Anbieter und fordern zusätzliche Frequenzen. Mit reinem Hobbyfunk sind unsere Bänder auf Dauer aber nicht zu verteidigen.

3. Aufgrund der Erfahrung ist zu befürchten, dass eine solche Lizenzklasse zum Unfrieden unter den Funkamateuren insgesamt beiträgt, unschöne Diskussionen auf den Bändern und im Internet sowie vermehrte Austritte von langjährigen Mitgliedern aus dem DARC zur Folge haben wird.

Alternative Möglichkeiten

Vorüberlegungen:

1. Die treibende Kraft zur Einführung einer Lizenzklasse unterhalb von E ist offenbar der DARC, nicht die Behörde (siehe hierzu Vorstandsinfo Nr. 17 aus 2008).

2. Gesicherten Informationen zufolge steht die Behörde dem Vorhaben vergleichsweise neutral gegenüber. Man hat zwar dem ECC89 Report zugestimmt; dieser sieht jedoch ausdrücklich vor, dass die einzelnen Länder nicht gezwungen sind, eine solche Einsteiger-Lizenzklasse auch wirklich einzuführen.

Es ist auch nicht zu erkennen, dass die zuständige Behörde das will, sondern die Initiative hierzu dem RTA als Ansprechpartner überlässt.

3. Ferner ist die Behörde offenbar der Auffassung, dass eine solche untere Lizenzklasse im Schwierigkeitsgrad bestenfalls am oberen Rand des ECC89 Reports angesiedelt werden kann, Englische Verhältnisse  (sehr niedriges Niveau) und die österreichische Entscheidung (kein Selbstbau erlaubt) soll es in Deutschland nicht geben.

Daraus ergeben sich die Fragen,

  • wie dann eine Europäisch harmonisierte Lösung überhaupt zustande kommen soll
  • und
  • ob es dann noch einen nennenswerten Unterschied im Schwierigkeitsgrad zwischen der jetzigen E Klasse und der neu geplanten Klasse gibt.

Kritisch kann es auch werden, wenn durch die Einführung einer neuen Einsteiger-Lizenzklasse jetzige Bestimmungen geändert werden müssten. Die heutige Einsteigerklasse E z.B .müsste wohl umgetauft werden, denn eine Einsteigerklasse für eine Einsteigerklasse kann es ja wohl nicht geben.

4. Der bürokratische Aufwand würde sicherlich deutlich erhöht, woran niemand Interesse haben kann.

Als alternative Möglichkeit empfiehlt die AGAF, es bei dem heutigen Zweiklassensystem zu belassen. Die RTA-Versammlung am 29.1.2009 möge beschließen, dass

der RTA Vorstand bei der Behörde zum Beispiel über die vorhandenen Prüfungsprotokolle sondieren läßt, bei welchen Prüfungsteilen für die derzeitige Zeugnisklasse E besondere Hürden festzustellen sind und diese durch Überarbeitung der betreffenden Prüfungsfragen hin zu Verständnis- anstelle von Lexikonwissen zu beseitigen.

Ferner könnte man daran denken, die Prüfung in mehreren Teilprüfungen mit zeitlichem Abstand zu erledigen, wobei jede Teilprüfung für sich unabhängig von den andern bestanden werden muss und bei Nichtbestehen hinreichend oft wiederholbar ist.

Wie schon im Kommentar der AGAF zum Bericht der Arbeitsgruppe „K Klasse“ ausgeführt, sei hier nochmals empfohlen, einem Teil der ca. 30.000 E- und A-Lizenzler, die nicht im DARC sind, einen Eintritt in den Club schmackhaft zu machen; wie ausgeführt, erscheint hierzu eine Verbesserung des Club-Image erforderlich verbunden mit einer intensiveren PR-Arbeit.

Abschließend ein Kommentar zum Selbstverständnis des RTA:

Dem Vernehmen nach hat sich die Geschäftsführerin des RTA am 14.12.2008 in Bad Lippspringe im Hinblick auf die “K-Lizenz“ dahingehend geäussert, dass die Meinung des DARC im RTA dominiere und auch durchgesetzt werde.

Dies würde in der Praxis bedeuten, dass die Meinungsäusserungen und mit Mühe vorbereiteten Diskussionsbeiträge der anderen RTA-Mitglieder als Folklore anzusehen sind und bestenfalls dazu dienen, dem RTA nach außen hin einen demokratischen Anstrich zu verleihen. Wenn dem wirklich so ist, bedeutet dies das Ende des RTA.

Die AGAF geht davon aus, dass es sich bei dieser Äußerung der Geschäftsführerin um einen einmaligen verbalen Ausrutscher handelt, der sich nicht wiederholen wird und weiterhin demokratische Spielregeln im RTA vorherrschen.

...

Für den Vorstand der AGAF e.V. am 23.1.2009

Vy 73 Uwe E. Kraus   DJ8DW

Präsident und 2. Vorsitzender

 

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